Blue Mountains

Blue Mountains

Katoomba & Three Sisters

Ein ereignisreicher Ausflug in die Blue Mountains bei Sydney. Die Idee den Sonnenaufgang zu erleben, führte nach einer durchgemachten Nacht zu einem chaotischen, aber unvergesslichen Tag. Trotz Müdigkeit und promillebedingter Herausforderungen genoss unsere Gruppe den Ausblick bei den Three Sisters, wanderte zu den Katoomba Falls und erlebte trotz eines verpassten Zuges einen ereignisreichen Rückweg.

Ein holpriger Start

Die majestätischen Blue Mountains befinden sich rund 60 Kilometer westlich von Sydney. Das bis zu 1000 Meter hohe Sandsteinplateau wurde im Laufe der Jahrtausende durch Wind, Regen und die unzähligen Wasserläufe zu einer beeindruckenden Canyonlandschaft erodiert. In den Tälern erstreckt sich ein dichter Eukalyptuswald, dessen Blätter ein ätherisches Öl absondern. Dieses verdunstet und erzeugt so den blauen Nebel, der den Bergen ihren Namen verlieh. „Blauer Dunst“ der ganz anderen Art war es jedoch, der uns auf unserer Fahrt zum besagten National Park begleitete. Die Idee in die Blue Mountains zu fahren, hatte ich schon bevor ich in Sydney ankam, weil sie einfach zu fotogen sind.

Also beschloss ich dieses Vorhaben am letzen Samstag in die Tat um zu setzen. Die Überlegung war, möglichst früh aufzubrechen, um zum Sonnenaufgang vor Ort zu sein. So konnte ich mir die Übernachtung in Katoomba  sparen. Trotz der frühen Startzeit von 3.30 Uhr fanden sich mit Sandra, Leo, Fabian und Benjamin schnell auch einige Mitreisende, die mich auf meiner Tour begleiten würden. Ich weiß nicht mehr genau, wer auf die Idee gekommen ist. Da es sich jedoch anbot, wollten wir einfach durchmachen und den nächsten Morgen im Zug pennen. Irgendwie ging aber mit der Absprache etwas schief, sodass die anderen ohne mich in den Club sind. Daraufhin beschloss ich, mich noch ne Stunde aufs Ohr zu hauen.

Als ich kurz nach drei wieder wach wurde, stand Sandra schon unten an der Tür des Hostels und meinte, das Taxi wäre da. Hals über Kopf warf ich meine Kamera in die Tasche und sprang halb verschlafen ins Auto. 10 Minuten bevor der Zug los fahren sollte, erreichten wir die Central Station. Ohne eine Ahnung wie genau der Zielbahnhof hieß, lösten wir ein Ticket und spurteten zum Bahnsteig. Hier mussten wir feststellen, dass der Zug leider aufgrund von Baumaßnahmen erst ab Black Town, einem Außenbezirk Sydneys, fuhr. In den verbleibenden drei Minuten, gelang es uns dank der unübersehbaren, gelben Hinweisschilder, den Schienenersatzverkehr zu erwischen. Den Anschluss nach Katoomba zu kriegen, war dagegen ein Kinderspiel und dank Sandra, ihrem Tablet und Google Maps, stiegen wir auch tatsächlich am richtigen Bahnhof aus. Das alles ist ja schon so ne Leistung.

Das wir das Ganze mit „Einsacht“ aufm Kessel geschafft haben um, so mehr 🙂 In Katoomba angekommen, mussten wir noch 2,5 km laufen, bis wir unser eigentliches Ziel erreichen würden. Der feuerrote Sonnenaufgang, der uns schon während der Zugfahrt begleitet hatte, setzte sein Farbenspiel fort. So zogen wir entlang der menschenleeren Hauptstrasse Richtung Echo Point und Three Sisters. Letztere bilden die wohl bekannteste Felsformation des Natioal Parks. Nach und nach sank dann langsam aber sicher der Alkoholspiegel und mit ihm auch die Motivation einiger Mitstreiter. Als wir an den Klippen des Aussichtspunkts ankamen, war erst mal eine Pause fällig. So genoss ich meine Fotostunde, während Sandra, Leo und Fabian auf den Treppen dösten.

Wanderung durch die Blue Mountains

Im Anschluss ging es dann auf Nahrungssuche. Dummerweise befanden sich die einzigen erschwinglichen Futterquellen im Zentrum der Stadt – zum Leidwesen aller beteiligten. Müde und hungrig schleppte sich die Truppe deutscher Touristen also wieder 2,5 km zurück. Im Aldi fanden wir endlich was Essbares. Die Motivation stieg aber erst wieder, als wir feststellten, dass gegenüber ein Liquorstore (Schnapsladen) schon geöffnet hatte. Da es heißt, man solle den Morgen beginnen, wie man den Abend beendet hat, gab es zum Müsliriegel ein schönes Bier/Cider. Im Subway rundeten wir diese „ausgewogene“ Mahlzeit ab. Hier trennten sich dann auch unsere Wege und Sandra und Fabian traten die Heimreise an.

Leo, Benjamin und ich beschlossen, nachdem wir es uns für nen Stündchen auf einer Parkbank gemütlich gemacht hatten, noch einmal zum Valley zu wandern. Unser Ziel waren zunächst die Katoomba Falls. Das Aboriginewort Katoomba bedeutet im Übrigen so viel wie funkelndes, fallendes Wasser. Dieses plätschert hier über eine Höhe von 55 m in mehreren Stufen ins Tal hinab, wo auch unser Weg uns hinführte. Unten angekommen, ging es dann am Fuße des Plateaus und durch den urigen Eukalyptuswald zurück in Richtung Three Sisters. Ich hätte es zwar nie vermutete, aber nach dem chaotischen Morgen entwickelte sich der Tag doch noch zu einem echten Wanderausflug.

Im Licht der Abendsonne

Im Licht der Abendsonne erklommen wir über 900 Stufen schließlich wieder den Echo Point. Ein wenig außer Atem und sichtlich erschöpft, ließen wir uns hier auf einer Bank nieder. Dem Tag standesgemäß, wurde ein Bier geöffnet und wir genossen zum Abschluss des Tages einen wunderschönen Sonnenuntergang.

So könnte man meinen, ging ein ereignisreicher Trip zu Ende – nun, nicht ganz. Zurück am Bahnhof sollte unser Zug Richtung Black Town in einer halben Stunde abfahren. Also setzen wir uns an den Bahnsteig und warteten. Ins Gespräch vertieft, fragte ich irgendwann, wie spät es sei. Wie zur Antwort ertönte das Signal des abfahrenden Zuges. Als wir auf die andere Seite des Bahnsteigs spurteten konnten wir nur noch unserem abfahrenden Zug hinterher schauen.

Man kann also auch einen Zug verpassen, wenn man auf ihn wartet. Da wir nun wohl zum Kochen nicht mehr rechtzeitig im Hostel sein würden, genehmigten wir uns noch einen Sub. Für Benjamin und Leo im Übrigen der dritte an diesem Tag. Nach einer weiteren Stunde saßen wir dann endlich in der Bahn Richtung Sydney. Alle drei dösten wir vor uns hin. Zum Glück ging auch auf der Rückfahrt nichts mehr schief. Nur die betrunkenen Australierinnen, die uns im Bus von hinten begrabbelten und uns zu einem Besuch im Stripclub überreden wollten, störten unseren wohlverdienten Schlaf. Erst gegen 22 Uhr erreichten wir schließlich das Backpackers HQ.

Und nun konnte der Tag schließlich seinen Ausklang finden, natürlich wie ihr euch denken könnt, bei einem obligatorischen Bierchen 🙂